Im Süden der Insel, in Cofete, steht die sagenumworbene Villa Winter. Cofete ist ein einsamer Ort und die Villa ist ein geheimnisvoller Zeuge der Vergangenheit. Obwohl die Villa Winter in allen Reiseführern erwähnt wird, ist sie schwer zu erreichen. Die Villa erreicht man nur über eine Schlotterpiste und mit einer Geländewagen. Das Gebäude ist beeindruckend und massiv, mit zwei Stockwerken, imposanten Rundbogen und einem runden Turm in nordöstlicher Richtung. Baudetails wie ein Winteremblem über die Haupttüre und einen geschnitzten Krokodilenkopf, geben die Villa etwas Schloßartiges.
Es hat alles angefangen in den dreißiger Jahren, als der Deutsche Ingenieur Gustav Winter sich im Morro Jable, damals noch ein kleines Fischerdorf, niedergelassen hat. Kurz zuvor hat er auf dem spanischen Festland einen Pachtvertrag für die gesamte Halbinsel Jandia unterzeichnet. Er soll eine sehr auffallende Person gewesen sein, mit dunkler Sonnenbrille, der immer begleitet wurde von einem schwarzen Hund. Gustav Winter hat erheblich zur Entwicklung von Morro Jable beigetragen. So hat er eine Kirche und eine Schule errichtet und hat einen Anfang damit gemacht, die Halbinsel Jandia zu entschließen, außerdem hat er den ersten Hafen von Morro Jable bauen lassen und hat er mehr als zehntausend Tannenbäume auf der Pico del Zarza pflanzen lassen, wovon man heute aber nichts mehr zurückfindet. Don Gustavo, wie er von den Einheimischen genannt wurde, hat für den aufwandreicher Bau Männer aus den umliegenden Dörfer rekrutiert. Es wurde gebaut unter strickter Geheimhaltung. Die Bauarbeiter wurden jeden Morgen zur Baustelle gebracht und Abends mußten alle das Gebiet, dessen Grenzen überwacht wurden, wieder verlassen.
Die Freundschaft zwischen Hitler und Franco ermöglichte, daß ein Großteil der Halbinsel Jandia zum militärischen Sperrgebiet erklärt wurde. Die Einwohner wurden entschädigungslos vertrieben bzw. zwangsumgesiedelt. In 1938 gibt es eine durch Unterlagen nachweislich belegte Besprechung zwischen Winter und der Abwehr III-Canaris. Dabei wurde vereinbart, daß Winter auf Jandia für das 3. Reich wirtschaftlich wichtige Vorhaben durchführt und dafür Deutsche Hilfskräfte erhält. Für die Bau einer Straße nach Cofete wurden politischen Häftlinge des Konzentrationslager in Tefia eingesetzt. Der mysteriöse Friedhof am Strand hat mehrmals Anlaß zu Spekulationen über die Arbeitsbedingung der Arbeiter gegeben. In 1941 wird die Halbinsel Jandia gekauft von der Gesellschaft "Dehesa de Jandia S.A." dessen Verwalter Gustav Winter ist. Sowohl in unmittelbarer Nähe als 200 Meter östlich der Villa findet man Schienenteile. Offenbar fanden also auch Bergbau Aktivitäten statt.
Es gibt Belege dafür, daß Fuerteventura, wegen seiner günstigen Lage, im zweiten Weltkrieg als U-Boot Stützpunkt der deutschen Kriegsmarine dienen sollte. Das es U-Boot Bewegungen rundum den Kanarischen Inseln gegeben hat ist sicher. Zwischen März und Juli 1941 gab es 6 nachgewiesene Stationen von deutschen U-Booten im Hafen von Las Palmas. Der Turm der Villa diente vermutlich als Peilungspunkt für U-Boote oder Flugzeuge, die das nahegelegene, kleine Flugfeld von Jandia anflogen. Und als ominöses Zeichen der Vergangenheit steht bei der Einfahrt der Villa ein Schienenfahrzeug der Firma Krupp.
Wenn man über die Geschichte der Villa Winter liest, stößt man auch immer wieder auf Spekulationen über ein mögliches untererdisches Hafenbecken für U-boote. Und wer de geologische Geschichte der Kanaren, mit ihren Lavatunnels kennt weiß, daß so etwas durchaus möglich ist. Es wird sogar gesagt, daß sich in diesem Hafenbecken noch zwei vollständige U-Boote befinden würden, die offiziell als versankt gelten. In den 70zigern sollen Spanier und ein Österrreicher versucht haben, dafür Beweise zu erbringen und sind dabei verunglückt. Ihre Yacht ist angeblich explodiert, dies ist aber unbestätigt. Ein weiterer Hinweis über eine mögliche militärische Benutzung der Villa ist der riesige Sicherungskasten, der sich im oberen Stockwerk des Turms befindet. Dieser Sicherungskasten läßt vermuten, daß sich im Turm Apparatur befand, der viel Strom bedarf.
Ein weiteres hartneckiges Gerücht handelt über die Möglichkeit, daß die Villa Winter benutzt wurde als Klinik, wo Nazi Verbrecher mit Hilfe von plastischer Chirurgie ein anderes Äußeres bekamen, um danach irgendwo in Südamerika mit einer neuen Identität ein neues Leben zu beginnen. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie diese ´Gäste´ mit einem U-boot bis vor der Küste von Jandia gebracht wurden. Es wäre auch möglich, daß dafür Flugzeuge benutzt wurden. Denn bei Kriegsende sollen jede Nacht etliche Flugzeuge gestartet und gelandet sein.
Seit den neunziger Jahren ist die Villa Besitz einer Spanischen Baufirma. Die Villa wurde damals von Verwaltern bewohnt, und Touristen konnten sich die Villa gegen ein Trinkgeld ansehen. Ob das jetzt noch immer so ist weiß ich nicht, darüber habe ich keine Infos gefunden.Wahrscheinlich wird die Villa in der Zukunft zu Hotel oder Restaurant umgebaut. Andreas Winter, ein entfernter Verwandter von Gustav Winter, hat damit einen Anfang gemacht. Er wollte aus der Villa ein Wellnesszenter machen ist aber an der spanischen Burokratie gescheitert. Aber für welchen Zweck die Villa in der Zukunft auch benutzt wird, die Sagen en Legenden werden sie immer begleiten.
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Man sieht die Villa schon von Weitem
Die Schlotterpisten von Cofete
Info am Eingang des Friedhofes
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